
Zum Telefonieren brauchen viele Menschen heute keinen eigenen Festnetzanschluss mehr. Eine Allnet Flat fürs Handy ist günstig, das Smartphone ist immer griffbereit und Gespräche in deutsche Netze sind meistens bereits enthalten.
Ganz überflüssig ist die Festnetznummer trotzdem nicht. Für Familien, Homeoffice, ältere Angehörige oder Haushalte mit schwachem Mobilfunkempfang kann sie weiterhin praktisch sein.
Lesedauer: ca. 6 Minuten
Was ist heute überhaupt ein Festnetzanschluss?
Mit dem klassischen Telefonanschluss verbinden viele noch eine eigene Telefondose und ein Telefon, das unabhängig vom Internet funktioniert. Solche analogen oder ISDN-Anschlüsse spielen in Privathaushalten heute kaum noch eine Rolle.
Die Telefonie läuft bei aktuellen DSL-, Kabel- und Glasfaseranschlüssen in der Regel über das Internetprotokoll. Das Telefon wird direkt oder über eine Basisstation mit dem Router verbunden. Fällt der Router oder die Internetverbindung aus, funktioniert deshalb meistens auch das Festnetztelefon nicht.
Eine Ortsnetzrufnummer gibt es bei vielen Internettarifen weiterhin dazu. Du hast also eine Festnetznummer, obwohl technisch über den Internetanschluss telefoniert wird.
Wann reicht das Handy vollkommen aus?
Wenn Du hauptsächlich allein wohnst, mobil erreichbar sein möchtest und einen zuverlässigen Handyempfang hast, reicht ein Mobilfunktarif oft aus. Eine Allnet Flat umfasst normalerweise Gespräche in die deutschen Mobilfunknetze und ins deutsche Festnetz.
Auch für die meisten privaten Kontakte ist eine Mobilfunknummer längst selbstverständlich. Messenger, Videoanrufe und Sprachnachrichten laufen ohnehin über das Smartphone. Wer nur selten telefoniert, braucht kaum ein zusätzliches Telefon im Haushalt.
Wenn Dein Internetzugang ebenfalls über Mobilfunk läuft, etwa über einen 5G-Router oder einen Smartphone-Hotspot, kann ein kompletter Haushalt grundsätzlich ohne leitungsgebundenen Anschluss auskommen. Voraussetzung ist eine stabile Netzversorgung und ein Tarif mit ausreichend Datenvolumen.
Wann ist eine Festnetznummer weiterhin sinnvoll?
Eine gemeinsame Nummer für den Haushalt
In einer Familie kann eine zentrale Rufnummer praktisch sein. Anrufer erreichen den Haushalt, ohne wissen zu müssen, welche Person gerade zu Hause ist. Auch Kinder können das Telefon nutzen, ohne bereits ein eigenes Smartphone zu besitzen.
Ältere Menschen und vertraute Bedienung
Ein großes schnurloses Telefon mit gut lesbaren Tasten, hoher Lautstärke und festen Kurzwahlen kann einfacher zu bedienen sein als ein Smartphone. Wer eine Ortsnetzrufnummer seit vielen Jahren verwendet, möchte sie möglicherweise behalten, weil Ärzte, Behörden, Verwandte und Bekannte diese Nummer kennen.
Homeoffice und geschäftliche Erreichbarkeit
Eine getrennte Festnetznummer hilft, private und berufliche Gespräche auseinanderzuhalten. Moderne Router und Telefone unterstützen häufig mehrere Rufnummern, Anrufbeantworter, Rufumleitungen und verschiedene Mobilteile. Für kleine Unternehmen oder regelmäßiges Homeoffice kann das übersichtlicher sein als eine einzige Mobilfunknummer.
Schwacher Mobilfunkempfang zu Hause
In ländlichen Regionen, gut gedämmten Gebäuden oder Kellerräumen kann der Mobilfunkempfang schwach sein. Eine Festnetztelefonie über DSL, Kabel oder Glasfaser bietet dann eine zusätzliche Verbindungsmöglichkeit. WLAN-Telefonie kann den Handyempfang im Gebäude ebenfalls verbessern, setzt aber wie die IP-Festnetztelefonie einen funktionierenden Internetanschluss voraus.
Ist die Festnetztelefonie beim Internetanschluss kostenlos?
Bei vielen Internetverträgen ist eine Festnetznummer im Paket enthalten. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass alle Gespräche kostenlos sind. Die meisten Tarife enthalten nur eine Flat ins deutsche Festnetz. Telefonate in Mobilfunknetze oder ins Ausland werden zusätzlich berechnet.
Andere Internetangebote enthalten eine Allnet Flat für Festnetz und Mobilfunk. Prüfe in der Leistungsbeschreibung, welche Ziele eingeschlossen sind. Sondernummern und Mehrwertdienste kosten in der Regel extra.
Wenn die Telefonfunktion ohnehin im Internetpreis enthalten ist, spricht wenig dagegen, sie als zusätzliche Erreichbarkeit zu nutzen. Einen separaten, kostenpflichtigen Telefonanschluss nur für wenige Gespräche brauchen dagegen nur noch wenige Haushalte.
Festnetz oder Handy bei einem Stromausfall?
Ein moderner Festnetzanschluss ist nicht automatisch ausfallsicher. Router, Glasfasermodem, Kabelmodem, Telefonbasis und schnurlose Mobilteile benötigen Strom. Bei einem Stromausfall kann deshalb auch die IP-Telefonie ausfallen.
Das Mobilfunknetz kann je nach Dauer und Ausmaß der Störung ebenfalls betroffen sein. Ein geladenes Smartphone und eine Powerbank bietet aber zumindest eine zusätzliche Möglichkeit. Wer aus gesundheitlichen oder beruflichen Gründen jederzeit erreichbar sein muss, sollte nicht nur auf einen einzigen Anschluss setzen.
Notruf über Festnetz und Mobilfunk
Die Notrufnummern 110 und 112 müssen über öffentlich zugängliche Telefondienste unentgeltlich erreichbar sein. Beim Festnetz ist der Anschluss einer festen Adresse zugeordnet. Beim Mobilfunk werden für den Notruf ebenfalls Standortinformationen übermittelt.
Entscheidend ist im Ernstfall, welche Verbindung gerade funktioniert. Ein Festnetztelefon hilft bei einem Strom- oder Internetausfall nur, wenn Router und weitere notwendige Geräte weiter mit Strom versorgt werden. Das sollte besonders bei Hausnotrufsystemen, Alarmanlagen oder medizinischen Geräten geprüft werden.
Alte Geräte, Fax und Alarmanlagen prüfen
Ältere Telefone lassen sich häufig über den Router weiterverwenden. Bei Faxgeräten, Türsprechanlagen, Hausnotrufen und Alarmanlagen ist das nicht immer zuverlässig möglich. Manche Geräte wurden für analoge Anschlüsse entwickelt und funktionieren über IP-Telefonie nur eingeschränkt.
Bevor Du einen Anschluss kündigst oder auf eine andere Technik wechselst, solltest Du beim Gerätehersteller oder Dienstanbieter nachfragen. Bei einem Hausnotruf ist außerdem wichtig, ob das System über Mobilfunk verfügt und wie es bei einem Stromausfall abgesichert ist.
Kann man die Festnetznummer behalten?
Eine bestehende Ortsnetzrufnummer kann bei einem Anbieterwechsel in der Regel mitgenommen werden. Wichtig ist, dass die Kundendaten beim alten und neuen Anbieter übereinstimmen und der neue Anschluss zum entsprechenden Ortsnetz gehört.
Wenn Du den leitungsgebundenen Internetanschluss vollständig aufgibst, gibt es auch Telefoniedienste, die eine Rufnummer über eine App oder VoIP-Hardware bereitstellen. Prüfe dabei Kosten, Notruffunktion, zulässige Nutzung und die Bedingungen für die Ortsnetzrufnummer.
Meine Entscheidungshilfe
Das Handy reicht meistens aus, wenn:
- Du zu Hause guten Mobilfunk- oder WLAN-Telefonie-Empfang hast.
- alle Haushaltsmitglieder eine eigene Mobilfunknummer besitzen.
- Du keine gemeinsame Ortsnetzrufnummer benötigst.
- keine alten Telefon-, Fax-, Notruf- oder Alarmgeräte angeschlossen sind.
Eine Festnetznummer bleibt sinnvoll, wenn:
- der Haushalt unter einer gemeinsamen Nummer erreichbar sein soll.
- Du private und berufliche Telefonie trennen möchtest.
- der Mobilfunkempfang zu Hause unzuverlässig ist.
- ältere Angehörige ein klassisches Telefon leichter bedienen können.
- die Telefonfunktion im Internettarif ohnehin enthalten ist.
Fazit
Einen separaten klassischen Telefonanschluss brauchen die meisten Privathaushalte heute nicht mehr. Zum Telefonieren genügt häufig ein Handyvertrag mit Allnet Flat.
Eine Festnetznummer kann trotzdem nützlich bleiben – vor allem als gemeinsame Haushaltsnummer, im Homeoffice, bei schlechtem Mobilfunkempfang oder für Menschen, die ein klassisches Telefon bevorzugen. Ist die Telefonie im Internetvertrag bereits enthalten, kannst Du sie ohne zusätzliches Gerät nutzen oder einfach als zweite Erreichbarkeit behalten.
Entscheidend ist deshalb nicht die Frage „Festnetz oder Handy?“ für alle, sondern welche Lösung zu Deinem Haushalt, Deiner Erreichbarkeit und den vorhandenen Geräten passt.
Wer schreibt hier?
Ich bin Torsten Leidloff, Verbraucherjournalist, und beobachte die Entwicklung auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt seit 1998. Meine Erkenntnis: Die Handynutzung wurde in den letzten Jahren deutlich günstiger. Nach wie vor kann man mit einem Preisvergleich deutlich sparen. In unseren Vergleichen findest Du die Angebote auf dem deutschen Markt nach dem Preis sortiert. Hier im Blog gebe ich meine Erfahrung weiter und helfe Dir, den passenden Mobilfunktarif zu finden.
